Stammtisch am 7. Februar 2015

Anfang Februar, ein rauher Nordostwind pfiff über die Hügel, Bauernhöfe, Häuser und - jawohl - auch über eine international bekannte Drechslerwerkstätte des Ostallgäus und verwehte die Straßen rings um Lengenwang.
Doch das hinderte die Drechslergemeinschaft nicht, aus Nah und Fern zum Stammtisch nach Lengenwang zu kommen.

Martin Adomat demonstrierte an diesem Abend die Herstellung einer

Muskatmühle

mit den verschieden Möglichkeiten der erhältlichen Bausätze.

Mehr zum Muskatbaum (myristica fragans) und seinem Samen gibt es hier zu sehen und zu lesen.

Achtung: Ab sofort sind alle Bilder durch Klick auch groß zu betrachten!


Bevor es mit der Muskatmühle losgehen kann, soll die Aufmerksamkeit des Lesers hier auf zwei phänomenale Neuerungen in Martins Werkstatt gelenkt werden:

Ein prächtiger Doppel-Duo-Würstel-Wärmer, dessen Funktionalität in weiteren Bildern gezeigt werden wird und der die Würstel auf das Beste erwärmt.

Die neue Tafel, magnetisch, mit Whiteboard auf der Rückseite.

Selbstverständlich dient sie in erster Linie zur Unterweisung und Visualisierung in den vielen Drechselkursen von Martin.
Aber auch am Stammtisch ist sie nützlich, wie dieser kleine Schnappschuss mit Feisti und Martin zeigt.

Alle Bänke sind wieder gut besetzt ...

... man trinkt, plaudert und freut sich auf den Anfang!

Schon zeigt Martin das Mahlwerk ...

... und den Kantel. Links zwei Kantel mit den Pilotbohrungen für das Mühlenmodell mit seitlicher Beschickung.

Erste Schritte:
Einbringen der unterschiedlichen Bohrungen.
Kantel wird ins Futter gespannt.

Und los gehts mit der ersten Bohrung auf der späteren Unterseite mit dem größten Durchmesser.
Wie immer gilt es auch zu beachten, dass vom größeren zum kleineren Durchmesser gebohrt wird.

So, der größte Durchmesser für die Schneidplatte ist gebohrt.

Nun geht es mit dem nächst kleineren Durchmesser weiter.

Bei allen diesen Mühlentypen ist auf absolute Genauigkeit entsprechend der Anleitung zu achten.
Und wenn Größen sogar in zehntel Millimeter angegeben sind, dann muss auch das beachtet werden.

Mühlen machen ist Präzisionsarbeit!

Doch dann ist Zeit für eine kleine Pause:

Wiener? Debreziner?

Die klassische Frage.

Gisela hat die Aufgabe übernommen, den neuen Würstlwärmer einzuweihen.
Wasser ist schon drinnen
auf ca. 70° C vorgewärmt
und wird nun mit den Würschen beschickt.

Unterdessen hat Martin eine Aufnahme für den Mühlenkantel gedrechselt.

Probieren ob der Kantel sitzt ...

... nochmal fein nachschneiden ...

... und dann passt alles!

Schon wird rundgeschruppt.

Die Trennstelle von Mühlenkopf und Mühlenunterteil wird genau nach Anleitung gemessen.

Und dann mit ganz feinem Werkzeug abgestochen, damit möglichst wenig Höhe verloren geht.

Die Finesse bei diesem Mühlenmodell besteht darin, dass das Oberteil vom Unterteil geschraubt werden kann. So kann die Muskatnuss von oben eingefüllt werden.
Für diesen Schraubmechanismus wird ein vorgefertigtes Holzgewinde in Ober- und Unterteil eingeleimt.

Hier klebt Martin das Gewinde ins Unterteil.

Mit Schleifpapier ein wenig säubern.

Nochmals nachmessen. Genauigkeit ist hier alles!

Jetzt ist das Oberteil ins Futter gespannt.

Und es geht nun darum, die Maserung exakt auszurichten, so dass dann das Gewinde im Oberteil genau passend eingeklebt werden kann.

Hier das Oberteil mit der Bohrung.


Auf der Geiger steht das Unterteil und davor das Gewinde fürs Oberteil zum einkleben.

Hier das Oberteil mit dem Gewinde.
Noch ist es nicht verleimt.

Martin probiert den Sitz und die Passung mit der Maserung.

Zur Sicherheit und um die Maserung schnell zu finden ein Bleistiftstrich.
Meister Martin hat ein wenig Übermaß zugegeben, damit er nachher noch "Luft" hat, um die Passung exakt deckungsgleich zu bekommen.

Nun wurde das Loch für die Mahlstange ins Oberteil eingebohrt und Ober- und Unterteil zusammengeschraubt.

Jetzt - endlich, werden die passonierten Drechsler sagen - wird die Form der Mühle gedrechselt.
Dabei ist immer darauf zu achten, dass die Wandung im Bereich der Nusskammer nicht zu dünn wird.
Die Gestaltungsmöglichkeiten sind daher bei einer Muskatmühle etwas eingeschränkt.

Nun wird die Form weiter ausgearbeitet.

Und noch etwas Material weggenommen.

Nun das Oberteil kugelig gestalten.

Schon kann die Oberfläche geschliffen werden.

Gleich wird die Muskatmühle fertig sein.

Martin sucht nach den weiten Metallteilen.

Ah, da sind die kleinen Schliltzschräuberl
und die Mahlstange.

Wichtig ist nun die ganz genaue Längenjustierung der Mahlstange, damit bei kleiner werdender Muskatnuss nicht die Mitnehmer in die Schneidplatte kratzen.

Nochmal probieren.

Nochmal nachjustieren.

Jetzt scheints zu stimmen.

Und hier der Hauptakteur der ganzen Mahlerei:
Die Schneidplatte, die nun zu guter Letzt im Unterteil befestigt wird.

Ein wenig vorbohren ist sinnvoll.

Schlitzschräuberl rein und festgedreht.

 

Fast fertig. Schnell noch die Kurbel befestigt.

Eine Norm-Muskatnuss eingefüllt. Passt!

Fertig ist die Muskatmühle.

 

Ein hilfreiche Vorführung und Anleitung von Martin Adomat.
Martin beabsichtigt im Frühjahr eine Kollektion von vorbereiteten und vorgebohrten Drechselrohlingen zusammenzustellen, um auch Einsteigern die Freude am Mühlenbau zu ermöglichen.

 

(c) Die Rechte an den Fotos hat der Allgäuer Drechslerstammtisch.

 

Letzte Aktualisierung - 7. Februar 2015